Schwertsparring.de
Ji-Jian

Kontakt / Impressum

English


Diese Seite zu Mister Wong hinzufügen

Jian - Das chinesische Schwert - Strategien

Viele Taiji Übende verschiedenster Stile beginnen mit dem Schwerttraining nachdem sie eine fortgeschrittene Ebene des Könnens erreicht haben. Es kann Taiji Lernende beim korrekten Üben unterstützen, wenn sie verstehen wie historische Schwertkämpfer diese Art von Waffe verwendet haben. Das Schwert dient zur Erweiterung der Bewegungen der Form und erlaubt einen besseren Einblick inwieweit Bewegungen verbessert werden können.

In unserer modernen Zeit ist es offensichtlich, daß Schwerttraining als hauptsächliches Mittel des persönlichen Schutzes unbrauchbar ist. Jedoch ist seine Nützlichkeit als Trainingswerkzeug zur Verbesserung der inneren Körperausrichtung unermesslich.

Wenn wir über Schwertsparring reden, gehen wir davon aus, dass es sich um einen Kampf zwischen zwei Personen handelt, die beide Schwerter handhaben. Falls beide Gegner gleiche körperliche Fähigkeiten haben, werden Technik und Können entscheidend, da beide Kontrahenten dasselbe Ziel haben: zu gewinnen.

Chinesisches Schwertsparring, die meisten Varianten verwenden das zweischneidige gerade Schwert, hat drei Hauptkategorien von Strategien:

Während die Bezeichnungen erstaunlich einfach klingen, erfordert die saubere Ausführung der Techniken sorgfältiges Üben und Aufmerksamkeit fürs Detail.

Block und Schlag

Bei "Block und Schlag" wird das eigene Schwert zuerst defensiv eingesetzt, um den Angriffsschlag zu blocken und dabei die gegnerischen Waffe aus dem Weg zu schlagen, damit anschliessend sofort ein offensiver Gegenschlag zufügt werden kann.

Eine gute zeitliche Koordinierung ist entscheidend für diese Technik, damit der Schlag durchgeführt wird, bevor der Gegner eine Gelegenheit für einen zweiten Angriff hat. Weiterhin ist auch Geschwindigkeit ein wichtiger Bestandteil für die effektive Ausführung dieser Technik. Die primären exekutiven Anwendungen bei "Block und Schlag" sind das Stoßen mit der Schwertspitze und das Schneiden mit dem oberen Drittel der Klinge.

Bei "Block und Schlag" liegt die Betonung auf dem Bewegen der gegnerischen Waffe aus der Schlagdistanz. Das kann sehr gefährlich sein, denn der Gegner könnte täuschen und einen anderen Angriff machen oder er könnte versuchen seinen Kontrahenten zu überwältigen.

Das Da Mo Schwertkampfsystem, ein berühmter Shaolin Stil, hat die oben genannte Strategie perfektioniert und nutzt den Block des Gegners als ein Sprungbrett für einen Schlag und ist dadurch einen halben Schritt dem Herausforderer voraus.

Folgendes Beispiel zeigt diese Technik des Da Mo Schwertsystems.

Bild 1 - Ausgangsstellung

Beide Akteure sind in Bereitschafts Position (Siehe Bild links) und bereit zu sparren.

Bild 1 - Ausgangsstellung


Bild 2 - Block

Der Akteur auf der Rechten greift an mit einem Schwertschag, der Akteur auf der Linken blockt die Attacke (siehe Bild links).

Bild 2 - Block


Bild 3 - Schlag

Nachdem die Schwerter beider Akteure voneinander abgeprallt sind, verwendet der Akteur auf der Linken den Abprall Impuls, um den Hals seines Gegners zu treffen (siehe Bild links).

Bild 3 - Schlag


Taiji Schwertkampf verwendet diese Technik üblicherweise nicht, allerdings kann beim konsequenten Vorgehen des Angreifers "Block und Schlag" gut funktionieren. Die Entscheidung zu einem Schlag muss auf der Beurteilung des Angriffs basieren. Eine falsche Beurteilung könnte tödlich sein. Wenn beide Kämpfer zur selben Zeit schlagen und beide fähig sind nahezu gleichen Schaden zuzufügen, wird die Situation auch als "Doppelter Selbstmord" bezeichnet.

Dreiecksprinzip

Das "Dreiecksprinzip", genannt nach der Form die durch den Angriffswinkel erzeugt wird, ist eine übliche Strategie in den meisten chinesischen Schwertsystemen, hauptsächlich weil es sicherer ist verglichen zu "Block und Schlag". Nicht in die Reichweite des gegenerischen Schwertes zu geraten, ist am wichtigsten in dieser Situation. Gute Beinarbeit ist auch entscheidend und sollte gründlich geübt werden.

Ein bekannter Daoisten Stil "Qing Ping" (Lotus Blatt) Schwertsparring System, betont das Springen auf den Fußballen, um dadurch gesteigerte Geschwindigkeit und Wendigkeit zu ermöglichen, während das Wu Dang System, legendär von den Bergen selben Namens, sich auf "rückwärts überkreuz Gehen" konzentriert, um gefährliche Schläge zu vermeiden. Frühe Wu Dang Trainingshandbücher legen Wert auf mannigfaltige Übungen für die Beinarbeit, um die Wendigkeit und Flinkheit zu erhöhen.

 

Bild 4 - Dreiecksprinzip

Gewöhnlich fängt man in einem leeren Stand an, beide Knie gebeugt, mit Gewicht auf dem hinteren Bein und einem Fuß vorne. Wenn der Gegner angreift, macht man in einem Winkel einen Schritt zurück und verwendet gleichzeitig die "Schnitt mit Schwertspitze" Technik, um das Handgelenk des Gegners anzugreifen (siehe Bild links).

Bild 4 - Dreiecksprinzip


"Schnitt mit Schwertspitze" ist eine schnellende Bewegung aus dem Handgelenk. Wegen der Wichtigkeit dieser Bewegung betont die Chinesische Schwertsparring Kunst das Dehnen und Trainieren des Handgelenks. Man sollte sich allerdings bewußt sein, dass diese Strategien nicht sehr effektiv sind in Situationen, bei denen die Handgelenke des Gegners durch Rüstung geschützt sind. Wird der Gegner erfolgreich entwaffnet, so sollte man ihn ohne zu zögern niederstrecken.

Ein berühmtes Beispiel des "Dreieckprinzips" ist der Schwertkampf aus den 1920igern zwischen Meister Yang Cheng Fu und einem Herausforderer aus der Stadt Wuhan. Während des Duells brach Yang Cheng Fu das Handgelenk seines Gegners unter Verwendung der "Warten auf Fisch" Technik. "Warten auf Fisch" ist eine im Yang Stil praktizierte Handgelenk Technik mit einem umgekehrten rückwärtigen Schnitt mit der Schwertspitze (wie im vorherigen Abschnitt diskutiert). Meister Yang´s entscheidender Schlag ist eine ausgezeichnete Demonstration der praktischen Wirksamkeit des "Dreieckprinzips".

Kleben

"Kleben" als Schwert Anwendung ist eine Besonderheit des Inneren Schwertkampfes und ist die dominierende Strategie bei den meisten Inneren Kampfkunst Schwertsystemen. "Kleben" kann kurz beschrieben werden als ein klebe-ähnliches Anhaften an der gegnerischen Waffe mit der Absicht sich in eine vorteilhafte Position zu bringen. Diese Technik entwickelte sich aus der Notwendigkeit die Zwangslage des "Doppelten Selbstmordes" zu verhindern.

"Klebendes" Schwert erlaubt dem Schwertkämpfer zuerst die Attacke des Angreifers zu kontrollieren, dann niederzuhalten und schließlich einen effektiven Konterangriff durchzuführen und dadurch das Problem des "Doppelten Selbstmordes" zu lösen. Der kritische Punkt um diese Technik effektiv ausführen zu können ist die korrekte innere Ausrichtung.

Bild 5 - Kleben

Auf den anfänglichen Angriff wird die eigene Klinge gegen die Waffe des Gegners positioniert, um sich zu schützen (siehe Bild links), gleichzeitig wird die gegnerische Waffe vom eigenen Körper ferngehalten, ohne sie wegzuschlagen oder abprallen zu lassen.

Bild 5 - Kleben


Bild 6 - Kleben

Idealerweise sollte man in der Lage sein dem ursprünglichen Schlagimpuls des Angreifers zu folgen, um so in eine optimale Position zu kommen, bei der das eigene Schwert den Gegner erreichen kann, während der Angreifer für einen weiteren Schwertstreich mindestens eine weitere zusätzliche Bewegung ausführen müßte (siehe Bild links). Um das am Besten zu erreichen, wird das Schwert an dem Punkt neu ausgerichtet, an dem sich die zwei Klingen berühren.

Bild 6 - Kleben


Im Taiji System wird das Neuausrichten durch die grundlegenden Taiji Bewegungen Peng, Lu, Ji oder An bewerkstelligt, welche dem Angreifer das Gefühl geben, als ob er in einen Tornado geraten wäre. "Kleben" klingt für viele Kampfkünstler, die wenig Verständnis oder Erfahrung damit haben, wie eine geheimnisvolle und esoterische Angelegenheit.

Wie können zwei Schwerter kleben, wenn es keinen Klebstoff gibt, der sie miteinander verbindet? Die Antwort auf diese Frage könnte für einige überraschend sein. Korrekte Ausrichtung ist das Ergebnis von Aufrechthalten des Köpers, Entspannen der Schultern, Sinken lassen des Elbogens, Einsinken lassen des Brustkorbes und Senken des unteren Rückens. Diese Punkte erfüllen tatsächlich die grundlegenden Anforderungen von allen Inneren Kampfkunststilen. Durch die korrekte Ausrichtung bleibt der Oberkörper leer, während der Unterkörper voll und schwer wird und dennoch die Beinarbeit schnell und flink bleibt. Wenn der Körper richtig ausgerichtet ist, wird man, ohne die eigene Balance dabei zu stören, mit der Waffe die Kraft eines Schwertschlages absorbieren und weiter den Kontakt mit der angreifenden Waffe halten können, bis der Gegner eine Gelegenheit bietet, um ihn zu erledigen.

Einige Schwert Meister der Innere Stile sind fähig, schnell das Schwert aus der Hand ihres Gegners zu entreißen und unter Umständen sogar den ganzen Körper des Gegners durch Anwenden dieser Art von "Kleben" aus dem Gleichgewicht zu bringen. Wenn einmal dieser Gipfel des Könnens erreicht ist, wird das Ausführen dieser vernichtenden Bewegung eine einfache Aufgabe. Um diese Ebene des Könnens zu erreichen, muss durch grundlegendes "Leere Hand" Training ein starkes Fundament aufgebaut werden. Besonders der eigene Körper wird befähigt werden, die wichtigen Grundlagen zu erfüllen, die von den Inneren Kampfkunststilen gefordert werden. Wenn das Schwerttraining voranschreitet, verstärkt es die korrekte Körperausrichtung und entwickelt eine natürliche Tendenz im Sinne des Inneren Weges zu sparren.

Das Sparring Training sollte mit dem Üben von "Klebenden Schwert" Formen beginnen und zwar genau auf die gleiche Weise, wie wenn man "Leere Hand" Formen trainieren würde. Dann sollten, unter richtiger Anleitung, Schwert Form Anwendungen mit einem Partner geübt werden. Wenn man diese zwei Arten von Übungen mit langsamer bis gemäßigter Geschwindigkeit ausführt, ist es möglich Holz oder Metall Übungsschwerter zu verwenden. Gepolsterte Waffen und geeignete Schutzausrüstung können verwendet werden, wenn Schwert Übende ausreichendes Können und die Kontrolle zum freien Sparren erlangt haben. Durch freies Sparren ist es möglich ein tieferes Verständnis von Schwertsparring Strategien zu erhalten und, viel wichtiger, zu erkennen, welche Technik eines Stiles am Besten für den Einzelnen funktioniert.

Es gibt ein weltweites neuerliches Interesse an Schwertsparring, welches viele verschiedene Stile einschliesst. Auf Anfrage des 4ten Internationalen Einladungswettbewerbes, veranstaltet in Beijing im Sommer 2002, zeigten Hr. Yan Gaofei und sein Schüler Rober Gugino Vollkontakt Schwertsparring. Die Freistil Schwertsparring Vorführung zeigte überwältigendes positives Interesse und Neugierde.

Meister Chen Quan Zhong, Vorsitzender der Xi´an Chen Stil Taichi Vereinigung und wichtigster Lehrer von Yan Gaofei, sagte, dass während seiner Jugend in den 1920iger und 1930igern unter seinesgleichen im Chen Dorf, klebendes Schwerttraining genauso populär war, wie klebende Hand Training und klebende Speer Training. Yan Gaofei hatte die Gelegenheit Videomaterial von Zheng Man Qing (Cheng Man Ching), einem berühmten Schüler von Yang Cheng Fu, zu sehen, wie er Yang Stil Taiji klebendes Schwert mit einem seiner Schüler übte. Es scheint, dass in der modernen Kampfkunst Praxis klebende Technik weniger häufig bekannt ist. "Klebetechnik" ist ein faszinierendes und herausforderndes Konzept, wenn man es Anfangs zu begreifen versucht. Aber wenn einmal ein wahres Verstehen entwickelt ist, können die anmutigen und manchmal tanzartigen Bewegungen von verschiedenen Kampfkünsten, wie Taiji Schwert Formen, für ihre praktische Kampfkunst Anwendungen geschätzt werden.

Quellen

[ oben ] [ zurück]